Die Podwerker

Gern gehört: Cui Bono - WTF happened to Ken Jebsen?

Worum geht's?


Wir haben uns in der Podcastszene fast schon daran gewöhnt, dass große Storytellingformate aus den USA kommen. Aufwendig erzählte Strecken wie in "This American Life" oder auch durchproduzierte Nachrichtenformate wie "The Daily" von der New York Times - in Deutschland ist das Mangelware. Nun aber kommt Bewegung in die Branche. In einer ungewöhnlichen Kooperation von RBB, NDR, Studio Bummens und K2H ist ein neues Format erschienen, das Recherche und Storytelling in einem Podcast vereint: "Cui Bono - WTF happened to Ken Jebsen?".

In der sechsteiligen Doku-Serie wird der Aufstieg und Fall von Ken Jebsen rekonstruiert, der sich vom Radiomoderator zum einflussreichen Verschwörungstheoretiker gewandelt hat. Auch wenn stark an seiner Person entlang erzählt wird, geht es um mehr. "Cui Bono" ist auch eine Geschichte über den Einfluss der Algorithmen von YouTube und Facebook auf die Verbreitung von "Fake News" und den erstarkenden Populismus in Deutschland.

Wie ist es gemacht?


Jebsen selbst wollte mit Redaktion und Producern offenbar nicht sprechen. Stattdessen arbeitet das Team mit allem, was es von Jebsen finden konnte. Die Macher haben mit Wegbegleitern, ehemaligen Freunden und Kollegen gesprochen. Archivmaterial aus Jebsens früherer Sendung bei Radio Eins durchforstet. Und die wichtigsten O-Töne aus Gesprächen und Archiv in eine spannende Erzählung verpackt und mit passendem Sound Design aufwendig abgemischt.

Durch die Sendung führt Moderator Khesrau Behroz. Angenehm, dass hier auf jede weitere Konstruktion mit Reportern oder Studiogästen verzichtet wird, anders als in früheren RBB-Storytellingformaten. Die Producer vertrauen ganz auf ihre Erzählung, eine solide Recherche und starke O-Töne. Das macht es unkompliziert, man bleibt beim Hören dran.

Was fasziniert?

Die Story entwickelt einen Sog. Wer einmal damit angefangen hat, will weiter hören. In dem Podcast kommen Bausteine einer starken Geschichte zusammen. Da ist ein Protagonist, der in seiner Persönlichkeit gebrochen wirkt, einen Konflikt und eine Wandlung durchmacht. Die Reise eines tragischen Helden sozusagen. Das alles genügt aber nicht für eine Story von Relevanz. Der Fall Ken Jebsen ist nicht singulär, er steht für eine Entwicklung in unserem Land.

Rechtspopulismus und Verschwörungstheorien wirken anziehend auf viele Menschen in Deutschland. Was treibt sie an? Wie konnte es dazu kommen? Fragen, die wir jedem einzelnen Querdenker stellen könnten. Und deren Antworten uns etwas angehen. Die Biografien von Prominenten wie Ken Jebsen oder auch dem ehemaligen "Spiegel"-Kulturchef Matthias Matussek, der mittlerweile im Milieu von AfD und identitärer Bewegung zu Hause ist, sind da nur die Spitze des Eisbergs.